Symphytum officinale

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Version vom 19. Januar 2018, 19:36 Uhr von 2 (Diskussion | Beiträge) (LEITMOTIV — PRIMÄRE PSORA)
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ZENTRALE BEGRIFFE


Symphytum, Beinwell, Wallwurz, Beinwurz
(Familie: Boraginaceae)
Der Gattungsname Symphytum leitet sich ab von griech. ‚syn’ (zusammen) und ‚phyo’ (wachsen), woraus griech. ‚symphytos’ (zusammen gewachsen) entsteht. Damit ist das Zusammenwachsen von Wunden oder gar von Knochen gemeint. Diese Heilkraft kommt auch im deutschen Namen „Beinwell“ zum Ausdruck.

Möchte – wie andere Verletzungsmittel – die Welt heiler machen. Empfindlich für das Angegriffene, Versehrte, Gebrochene in der Welt. Will aus einer Position der Stabilität, Festigkeit und Unangreifbarkeit handeln. Will seine eigene Struktur durchsetzen zum Wohle der Welt. Wohlwollend, mitfühlend.
Nichts scheint ihm stabil genug. Angst vor Konflikten und Verletzungen. Übermässig besorgt um das Wohl anderer. Sieht überall Gefahren.
Kann sich kompensatorisch auf seine Meinung und Pläne versteifen, lässt sich nichts gefallen, wird zwanghaft ordentlich und gewissenhaft.

Worauf richtet sich der Fokus der inneren Aufmerksamkeit?
Symphytum ist empfindlich für das Angegriffene, Versehrte, Gebrochene in der Welt. Er nimmt Ungerechtigkeiten gegenüber Minderheiten, Diskriminierung oder Missbräuche verstärkt wahr. Selbst verletzte Rechte von Tieren oder Pflanzen können ihn kränken, Ungerechtigkeit kann er nur schwer ertragen. Th 4, 25, 26
Durch chaotische Zustände fühlt er sich sofort aufgerufen, Übersicht zu gewinnen und Struktur zu schaffen.



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Die Themenliste umfasst eine inhaltlich gruppierte Sammlung von Original Prüfungssymptomen

Wie zeigt sich das Leiden des Patienten? (Sekundäre Psora)

Wie kompensiert er sein Leiden? (Egotrophie, Egolyse, Alterolyse)

Wie lautet die eigentliche Hypothese „nach Masi“? (Primäre Psora)

Hier finden Sie spannende Interpretationen von einzelnen Themen oder Symptomen



THEMENLISTE


1. Folgen von Sturz, Stoss oder Schlag
Schmerzen in den Augen nach einem Stoss oder einer Quetschung mit einem stumpfen Gegenstand. He 5.1
Nach einem Schlag auf das Auge mit einem Stock von einem Kind, keine sichtbare Verletzung, aber ein Gefühl, beim Augenschliessen, als ob das Oberlid über eine Erhebung des Augapfels gleiten müsse; beim Erwachen konnte sich das Auge nicht leicht öffnen, erschien krampfhaft geschlossen. He 5.2
Fiel vor mehr als einem Jahr und schlug mit dem Knie auf einen Stein; die Wunde heilte und liess kaum eine Spur, aber es verblieb ein heftig stechender Schmerz an der Stelle, spürte ihn, wenn die Kleidung die Stelle berührte oder wenn das Knie gebeugt wurde. He 33.1
Schusswunden. He 45.9

2. Angst vor spitzen Messern; er hat Angst, das spitze Messer verletze ihn, wenn er es in der Hand hält und herumgeht, oder wenn sein Frau mit einem spitzen Messer an ihm vorbeigeht. Fr 1.264

3. Schwer heilende Brüche
Der Mann leidet an einer Spontanluxation des Oberschenkels seit der Kindheit, fiel und erlitt einen Bruch des betroffenen Oberschenkels; nach zwei Monaten waren die Bruchstücke ziemlich beweglich und weil die Verbindung hoffnungslos war, wurde ein Apparat gemacht, der ihm erlaubte am Tage auf einem Stuhl zu sitzen; Symphytum C4, vier Kügelchen alle sechs Stunden, vollbrachten eine vollständige Verbindung in zwanzig Tagen. He 33.2

4. Gebrochen sein, sich etwas brechen
(...) er fühlt, dass diese Menschen gebrochen sind, ihren persönlichen Willen verloren haben und in einer nicht mehr wahrnehmenden Resignation leben; ihn belastet der Gedanke, wie die Menschen in China soviel Selbstvertrauen verlieren können und ihre eigenen Belange so vernachlässigen können. Fr 1.18
Sie überlegt sich, wie ein Leben ist, wenn man nicht Herr seines Willens ist; sie denkt sich, wie soll in einem "ge-brochenen" Zustand ein " Kreis-lauf" funkrionieren. Fr 1.189
(...) der Stamm der Yuccapalme ist ein Stück abgetrennter Ast; er denkt sich, dass die Yuccapalme einen Bruch erlebt, denn es werden Stückchen von Ästen abgeschlagen und in die Erde gesteckt, so dass oben Blätter und unten Wurzeln wachsen. Fr 1.215
Beim überschwenglichen Hantieren während des Kochens schlägt er den Rand einer Keramikschüssel etwas ab; seine Stimmung ist kurz getrübt, dann denkt er sich, es wäre schön, wenn der Rand wieder nachwachsen könnte. Fr 1.253
Beim Laufen im ersten frisch gefallenen Schnee hat sie plötzlich Angst, dass sie sich den Fuss brechen könnte. Fr 1.265
Fr 1.423

5. Restbeschwerden nach Wundheilung
Reizbarer Stumpf nach Amputation. He 45.6
Eigenartiger Schmerz in der Knochenhaut nachdem die Wunden geheilt sind. He 45.7
Reizbarkeit der Knochen an der Bruchstelle. He 45.

6. Stabilität, Struktur
Er erlebt eine für ihn fast unheimliche Stabilität und fragt sich, wo diese Stabilität herkommt; es ist nicht die Kraft, alles zu erdulden, sondern trotz gewisser Schwierigkeiten wohl gesonnen zu sein; ihm geht immer wieder die dritte Strophe des Gedichts "Grenzen der Menschheit" von Goethe durch den Kopf: "Steht er mit festen,/ markigen Knochen / auf der wohlgegründeten / dauernden Erde, reicht er nicht auf, / nur mit der Eiche / oder der Rebe / sich zu vergleichen"; er freut sich, einen eigenen, klaren und festen Standpunkt gefunden zu haben; er fühlt sich wohl mit soviel Klarheit, Struktur, Übersicht und vertrauensvoller Zuversicht; er macht sich für alles Mögliche Regeln. Fr 1.413
Mit grösserer Sicherheit tätigt er Arzneimittelverschreibungen; er gibt Patienten mit grosser Klarheit im vorhinein die Arzneimittel an, die sie in diesem oder jenem Fall einnehmen sollen, und er liegt meistens richtig; er spürt in sich eine grosse Festigkeit. Fr 1.417
Im Freien gehend kommen ihm Gedanken, endlich wieder mit beiden Beinen stabil im Leben zu stehen; wie beglückend und schön es ist, sich leichtlebig und dennoch überzeugt zu fühlen; er betrachtet die kahlen grossen Eichen, die sich bizarr gegen den Nachthimmel abheben; er sieht es als das grundlegende Gerippe des mächtigen Baumes, mit dem er sich vergleicht. Fr 1.422
In einem Vortrag benützt er häufig die Wörter "Struktur" und "Gerüst". Fr 1.369
Er merkt, dass er in Häufung Wörter schreibt, die "fassen" beinhalten; z.B. erfassen, erfassbar, zusammenfassend. Fr 1.368

7. Bleibt bei den Fakten, ruhig und neutral
Wenn er Fakten erfährt oder ihm Dinge vermittelt werden, die er seiner Erfahrung gemäss nicht akzeptiert, verhält er sich ruhig und gibt lediglich kurze informative Antworten; in Gesprächen, wo es um Impfungen, Antibiotika, andere Behandlungen usw. geht, verhält er sich ziemlich zurückhaltend, indem er die Patienten nur kurz aufklärt und sie dann ihrer Meinung überlässt; wenn er bemerkt, dass andere etwas machen wollen, das seiner Meinung nach nicht stimmig ist, sagt er am Ende eines Gesprächs, er möchte sie nicht von ihrem Verhalten abbringen. Fr 1.1
Eine Patientin, die in der Behandlung nicht mehr weitermachen will, lässt er, wie sie will; er kann das akzeptieren, was sie will; nachdem ihm die Patientin verkündet, dass sie zu einem anderen Behandler geht, da sie sich bei ihm während ihrer Schwangerschaft nicht aufgehoben und verstanden fühlt, hört er all die Vorwürfe an und bleibt vollkommen ruhig. Fr 1.2
Ruhig und wohlwollend erklärt er einem alten Freund, in welchen Bereichen und mit welchen Verhaltensweisen von ihm er Schwierigkeiten hat; das offene Gespräch bleibt bei aller Direktheit sehr neutral. Fr 1.4
Fr 1.15

8. Direkt, knallhart
Sie schimpft über Personen, die nicht anwesend sind, schimpft aber weiter, wenn die betreffende Person das Zimmer betritt; eine Freundin sagt ihr, dass sie ganz schön knallhart drauf sei, wenn ihr etwas nicht passt. Fr 1.41
Ruhig und wohlwollend erklärt er einem alten Freund, in welchen Bereichen und mit welchen Verhaltensweisen von ihm er Schwierigkeiten hat; das offene Gespräch bleibt bei aller Direktheit sehr neutral. Fr 1.4
Sie sagt einer Frau, dass sie einfach alleine reisen solle; und das im Beisein des Ehemannes. Fr 1.45
Auf die Bemerkung einer Kollegin, dass sie alles so korrekt mache, sagt sie der Kollegin ihre Meinung recht schonungslos. Fr 1.50
Selbst unangenehme Dinge kann sie leicht erledigen, wie z.B. Handwerker mehrmals zu ermahnen, zu kommen. Fr 1.52
Sie stellt einen Arzt vor vollendete Tatsachen, mit welchen Reaktionen ihrerseits er jetzt auf sein Verhalten in punkto Arbeit zu rechnen habe; sie lässt sich auf keine Diskussion ein, sondern klärt ihn nur darüber auf und geht zu ihrer Arbeit; sie klärt einen Arzt auf, dass sie nicht automatisch seine Kaffeetassen usw. aufräume; sie hat es dick, hinter Männern aufzuräumen, und drückt jedem sein Zeug in die Hand. Fr 1.56

9. Kampflustig
Sie fühlt sich kampflustig; keinerlei zärtliche Geste geht ihr von der Hand, und selbst ihre Gesichtszüge drücken das aus; ihr Mann meint, dass er sich lieber aus dem Staub mache. Fr 1.65
Sie ist in "Kampfstimmung" und denkt sich "Ich kann es doch mit jedem aufnehmen!" Fr 1.67
Er tötet konsequent alle Fliegen, die sich in der Wohnung aufhalten – normalerweise lässt er die Fliegen. Fr 1.72
Sie spürt, dass es ihr mit diesem Arzneimittel ganz gut geht; sie hat das Gefühl, mehr Selbstvertrauen zu haben, und sie denkt, es mit jedem aufnehmen zu können; sie ist in Kampfstimmung. Fr 1.415
Fr 1.58

10. Sich nichts mehr gefallen lassen
Nach einer Auseinandersetzung macht ihm seine Frau Vorwürfe; er lässt sich das nicht mehr gefallen und erklärt ihr, dass er da nicht mehr mitmacht. Fr 1.71
Sie hat Wut gegen jemand, der immer nur jammert, aber sich alles gefallen lässt und nichts dagegen unternimmt. Fr 1.47
Sie hält sich jedes Gejammere vom Halse; es klingeln bei ihr gleich die Alarmglocken, wenn eine Sache oder Diskussion sie unnötig belastet, und sie zieht sofort die Notbremse. Fr 1.48
Fr 1.56, 69, 421

11. Genervt, gereizt durch Kleinigkeiten
Sie ist sehr schnell genervt; überempfindlich nimmt sie manches zu persönlich und fühlt sich schnell kritisiert, worüber sie sich im Stillen dann ärgert. Fr 1.29
Reizbar und nervös durch jede Kleinigkeit; als Überreaktion auf starken Kaffee; Spaziergang bessert; über eine Kleinigkeit gerät er mit seiner Frau in Streit; er ist beleidigt, will sich zurückziehen, aber da in der Wohnung keine Ruhe ist, verabschiedet er sich ohne einen Blick nur mit einem kurzen Wort, wissend, dass seine Frau bald wegfährt und erst abends wieder zurückkommt; mit einem sinnlosen Gefühl von Wut auf seine Frau geht er weg und fühlt sich dabei immer mehr allein; verzweifelt dreht er um, da er das Gefühl von Zorn, Alleinsein und Hilflosigkeit nicht mehr ertragen kann und geht wieder in die Wohnung, ohne mit ihr zu sprechen; als seine Frau gehen muss und etwas nur leicht Herausforderndes sagt, schmeisst er den Wasserkocher an die bereits hinter ihr geschlossene Türe nach. Fr 1.36
Als er eine Passantin leicht berührt, sagt sie ihm beleidigt, vorwurfsvoll und aggressiv "Ja – danke schön!"; völlig überrascht lässt er sich sofort auf eine verbale Auseinandersetzung ein; anschliessend ist er den ganzen Tag über leicht gereizt. Fr 1.42
Er möchte morgen allein in die Berge gehen wegen seiner Reizbarkeit und Erregbarkeit; nach längerem Spaziergang verschwindet dieses Bedürfnis. Fr 1.44
Sie regt sich auf, da einige Leute, die gerade zwei Minuten in der Warteschlange stehen, ein blödes Gesicht machen. Fr 1.61
Fr 1.38, 187

12. Die eigene Meinung
Sie vertritt ihre Meinung ruhiger; sie kann Dinge sich entwickeln lassen. Fr 1.3
(...) wenn er bemerkt, dass andere etwas machen wollen, das seiner Meinung nach nicht stimmig ist, sagt er am Ende eines Gesprächs, er möchte sie nicht von ihrem Verhalten abbringen. Fr 1.1
Sie verhält sich sehr hartnäckig im Vertreten ihrer Meinung bei der Chorübung; von andern wird sie als sehr anspruchsvoll empfunden; zwei Arbeitskolleginnen haben einen Traum, in dem sie von ihr träumen, dass sie nicht zufrieden ist mit dem, was sie gemacht haben. Fr 1.7
Als er einem Bekannten, einem Naturwissenschaftler, der sich ernsthaft über Astrologie unterhalten möchte, seine Ansicht der Dinge darlegt, reagiert sein Bekannter immer wieder ironisch oder mit lächerlichen Bemerkungen; er bleibt sachlich, auch nachdem sein Bekannter sagt, dass er es nicht persönlich meine, aber alles sei Aberglaube (...) ; er entgegnet seinem Bekannten "Ich denke, du meinst es schon persönlich, denn schliesslich ist es meine Meinung und hinter der stehe ich persönlich"; er fühlt sich nicht angegriffen, er hat eine Meinung und zu der steht er; er denkt sich, dass sein Bekannter noch viel zu lernen habe. Fr 1.19
In Streitigkeiten behauptet er klar seinen Standpunkt; seine Frau meint, dass er eine sehr unangenehme und unbeugsame rechthaberische Art habe. Fr 1.57
Sie sagt einem Freund deutlich ihre Meinung, da er immer bei ihr am Essen meckert; ausserdem sagt sie ihm, dass es ihr nicht passe, wenn er immer die Zigarettenkippen in ihre Blumentöpfe steckt; der Freund entschuldigt sich. Fr 1.66
Fr 1.50

13. Nach dem eigenen Plan
Sie ärgert sich zu Beginn der Arbeit, da die Dinge nicht wie geplant verlaufen; sie fühlt sich in der Gruppe wie eine Aussenseiterin; sie ist eher kritisch, auch die einzige in Turnschuhen und mit Rucksack. Fr 1.28
Um langen Diskussionen mit dem anderen aus dem Weg zu gehen, entscheidet er, die Sache erst später so zu gestalten, wie er sich alles vorstellt. Fr 1.22
Gereizt wegen Kleinigkeiten; gereizt, weil ihre Arbeitsplanung nicht eingehalten wird. Fr 1.38
Sie schimpft über Personen, die nicht anwesend sind, schimpft aber weiter, wenn die betreffende Person das Zimmer betritt; eine Freundin sagt ihr, dass sie ganz schön knallhart drauf sei, wenn ihr etwas nicht passt. Fr 1.41
Sie glaubt, Dinge besser als andere machen zu können; selbst an einer Steinmauer macht sie herum, weil sie meint, dass die Steine anders besser liegen; das führt zur Tendenz, zu kritisieren. Fr 1.418
Sie kommt sich wie ein Nichts vor, ein Niemand, etwas Sinnloses; sie hat weder ein Ziel noch einen Plan, wie es weitergehen soll. Fr 1.183

14. Ordnung
Nach zwei Wochen kann sie sich aufraffen, in ihrer Wohnung zu putzen; seit Arzneimitteleinnahme hat sie alles nur hingeschmissen, und so ist es dann dagelegen. Fr 1.102
Sie überlegt sich vorher, wie sie die Arzneimittelsymptomatik so genau wie möglich aufschreiben kann. Fr 103
Die Prüfungssymptome kennzeichnet sie auffallend ordentlich mit verschiedenen Farben je nach Zeitraum der Mittelwiederholungen blau, rot und grün. Fr 1.104

15. Gewissenhaft, korrekt
Sie wird kritisiert, weil sie sich sehr bemüht, Dinge korrekt zu machen. Fr 1.105
Er möchte die anfallende Arbeit gewissenhaft erledigen und nicht gestört werden; Ruhe will er sich erst in der Mittagspause oder am Abend gönnen. Fr 1.107

16. Gestört werden
Immer wenn er eine Sache beginnen will, wird er gestört; er regt sich darüber auf und sagt sich "warum kann ich nie meine Sache einmal gleich erledigen", macht aber erst die andere geforderte Sache, um anschliessend seine Arbeit anzugehen; um in eigenen Belangen aktiv und kreativ zu werden, muss er sich einen enormen inneren Ruck geben, um überhaupt anfangen zu können. Fr 1.108
Sie mag keine Musik hören; sie fühlt sich durch Musik gestört. Fr 1.226
Fr 1.107

17. Es treibt ihn das Gefühl, dass er alles alleine machen muss, aber im Grunde möchte er gar nichts tun. Fr 1.109

18. Verlust des eigenen Willens
Sie überlegt sich, wie ein Leben ist, wenn man nicht Herr seines Willens ist; sie denkt sich, wie soll in einem "ge-brochenen" Zustand ein " Kreis-lauf" funktionieren. Fr 1.189
Bezüglich eines Richterspruchs fragt sie sich, was sich Menschen wie Richter eigentlich denken, wenn sie über andere Menschen und deren Leben richten. Fr 1.17
Er sieht einen Bericht über China, wo Familien nur ein Kind bekommen dürfen, Mädchen nach der Geburt häufig umgebracht werden usw., einfach alle Belange durch die "Weisheit der Regierung" geregelt werden; er fühlt, dass diese Menschen gebrochen sind, ihren persönlichen Willen verloren haben und in einer nicht mehr wahrnehmenden Resignation leben; ihn belastet der Gedanke, wie die Menschen in China soviel Selbstvertrauen verlieren können und ihre eigenen Belange so vernachlässigen können. Fr 1.18

19. Wankelmütig, zweifelnd
Sehr wankelmütig, kann keine Entscheidung treffen; sie überlegt hin und her, kommt aber zu keiner Entscheidung; sie ändert immer wieder ihre Meinung und weiss nicht, was sie machen soll. Fr 1.291
Er fühlt sich hilflos beim Treffen von Entscheidungen und hat Mühe bei einer Entscheidung zu bleiben; immer wieder ändert er seine Meinung; dies betrifft nicht nur wichtige Dinge, wie Arzneimittelwahl für Patienten, sondern auch Kleinigkeiten, wie Entscheidung einen Keks zu essen oder nicht; er ruft bei einigen Patienten nach der Telefonbehandlung zurück und verordnet ein anderes Arzneimittel, das ihm erst nach Beendigung des Telefonats eingefallen ist. Fr 1.292
Sie hat grosse Zweifel wegen einiger anstehender Entscheidungen; Zweifel passt allgemein gut zu ihrer momentanen Verfassung. Fr 1.295
Sie ist nervös, da sie eine Entscheidung treffen soll und nicht weiss, ob sie sich für das eine oder das andere entscheiden soll; sie macht dann Musik, was sie beruhigt. Fr 1.308

20. Vorsichtig
Sie ist vorsichtig, wenn heikle Dinge anzusprechen sind, ohne ihnen aus dem Weg zu gehen. Fr 1.110
Sie geht vorsichtig mit sich um; sie ist ruhig und gelassen; im Privaten vorsichtige Zurückhaltung. Fr 1.111

21. Gelassenheit
Er fühlt sich gelassen, obwohl im Einkaufsstress; er macht sich keine Gedanken, dass die Praxis nicht läuft; er ist gegen diese geschäftlichen Belange gleichgültig. Fr 1.112
Fr 1.111
Als sie sich verspäten, verliert sie die Ruhe nicht und kann sich den Umständen relativ gut anpassen; die Tatsache, dass Besuch kommt, macht sie nicht nervös. Fr 1.136
Sie fühlt sich hellwach; sie fühlt sich herrlich gelassen, einfach sauwohl; sie geht spazieren, anstatt zu lernen, ohne einen einzigen störenden Gedanken an ihre Pflicht. Fr 1.246

22. Nähe, Liebe, Mitgefühl
Es fällt ihr leichter, auf andere einzugehen und Nähe anzunehmen; Körperkontakt toleriert sie besser, empfindet sie angenehmer und bewusster; ist auch zu Patienten eher möglich. Fr 1.209
Er empfindet eine tiefe Liebe zu seiner Frau; sehr oft hat er das Bedürfnis, ihr zu sagen, dass er sie liebt. Fr 1.212
Er hat zum ersten Mal richtiges, ihn belastendes Mitleid mit der verkorksten und isolierten psychischen Situation seiner Mutter. Fr 1.214
Er duscht den Efeu ab, weil er ihm wegen des Staubs auf den Blättern leid tut. Beim Herbstspaziergang durchs Moor sieht er die kahlen Bäume, welken Gräser und nackten Büsche; er bewundert die Standhaftigkeit gegenüber dem Jahreslauf, dass sie nicht aufgeben und ihr Schicksal an der Stelle erdulden, an welcher sie auf immer hingesetzt worden sind. Er empfindet Mitleid für eine mächtige Buche mit sonst vollkommen schöner und intakter Rinde, da an einer Stelle die Rinde rissig und abgestorben und das Holz dahinter morsch ist, eine Stelle, an welcher ein Hinweis für Wanderer aufgemalt worden ist. Fr 1.279
In einem Café fällt ihm eine Zeitschrift auf, die von Obdachlosen herausgegeben wird; beim Lesen der Schicksale dieser Menschen befällt ihn Wehmut und Traurigkeit. Fr 1.280

23. Sorgen um das Kind
Furcht, dass etwas geschehen könnte, dass z.B. ihr Sohn verloren gehe, wenn er mit seinem Onkel wegfährt. Fr 1.275
Sie macht sich Sorgen, dass ihr Sohn krank werden könnte. Fr 1.277

24. Übersehen, übergangen werden
Er versteht einen Scherz falsch, wird ärgerlich und vorwurfsvoll; in verschiedenen kleinen Situationen bekommt er schnell das subtile Gefühl, übergangen oder übersehen zu werden. Fr 1.281
Bildet sich ein, dass andere absichtlich gegen ihn Dinge machen, damit er sich lahmgelegt und übergangen fühlt; ausserdem stellt er sich vor, dass diese Personen sich freuen, ihn in eine missliche Situation gebracht zu haben. Fr 1.345

25. Ungerechte Anschuldigung
Sie kann nichts auf sich sitzen lassen, was nicht stimmt; sie schreit lauthals mit einem Stationsarzt, da er ihr und dem Schwesternteam etwas unterjubelt und sie als Lügnerin hinstellt, wo sie genau weiss, dass er gelogen hat. Fr 1.51
Streitbar, wenn es um die Belange der Frauen geht; sie geht im Dienst hoch wie eine Rakete bei ungerechter Anschuldigung. Fr 1.58
Beim Betrachten der Yuccapalme empfindet er, dass diese Tropenpflanze ungerecht behandelt wird, wenn sie hier bei grauem Wetter in einer Wohnung steht; er will keine fremdartigen Pflanzen mehr in Gefangenschaft halten; der Stamm der Yuccapalme ist ein Stück abgetrennter Ast; er denkt sich, dass die Yuccapalme einen Bruch erlebt, denn es werden Stückchen von Ästen abgeschlagen und in die Erde gesteckt, so dass oben Blätter und unten Wurzeln wachsen. Fr 1.215
Nachdem am Telefon eine bestimmte Schaltung nicht funktioniert, denkt er sofort, dass sein Neffe etwas geändert habe, um ihn zu ärgern. Fr 1.284
Fr 1.345

26. Frauenrecht
(...) sie klärt einen Arzt auf, dass sie nicht automatisch seine Kaffeetassen usw. aufräume; sie hat es dick, hinter Männern aufzuräumen, und drückt jedem sein Zeug in die Hand. Fr 1.56
Streitbar, wenn es um die Belange der Frauen geht; sie geht im Dienst hoch wie eine Rakete bei ungerechter Anschuldigung. Fr 1.58
In der Arbeit muss sie sich auf der Stelle wehren, wenn sie das Gefühl hat, dass sie als "nur" Krankenschwester oder als "nur" Frau behandelt wird. Fr 1.59
Es reicht ihr mit diesen Ärzten der Marke "arroganter Lackaffe", unwiderstehlich schön und nur noch göttlich ärztlich; sie entwickelt die reinste Aggression gegen Ärzte, und es kommt ihr vor, als ob sie ihren über Jahre angesammelten Frust rauslässt; die Äusserung "der Herr gab es ihnen, der Chirurg nahm es ihnen" tut ihr gut, und es ist ihr egal, ob Chirurgen, Internisten usw. Fr 1.62

27. Die Dummheit der Menschen
Sie regt sich fürchterlich auf, weil ein Bekannter belastende Medikamente nimmt; sie benötigt zwei Tage, um ihre Unruhe, die diese Geschichte in ihr auslöst, zu bewältigen; sie macht sich jedoch keine Sorgen um den Bekannten, sondern sie ist entsetzt über dessen Dummheit und Leichtsinn. Fr 1.8
Sie regt sich fürchterlich auf über eine Mutter, deren kleineres Kind sie erfolgreich wegen chronischen Hustens behandelt hat; mit dem grösseren Kind rennt die Mutter ständig zum Arzt, der wegen chronischer Ohrenbeschwerden Antibiotika verschreibt; sie denkt sich, ob die Mutter denn gar nichts verstanden habe, oder ist alles schon wieder vergessen, dass es dem kleinen Kind jetzt so gut geht. Fr 1.9
Fr 1.10

28. Machen sie doch was sie wollen
Er regt sich immer wieder über Dinge oder Personen enorm auf und sagt anschliessend seiner Frau "Ach, die sollen doch machen, was sie wollen"; die Information einer Patientin, dass sie nun seit zwei Wochen Hormone einnimmt, erregt ihn zwar, aber es ist ihm dann gleichgültig, und er sagt ihr "Machen sie doch, was sie wollen". Fr 1.10
Er fühlt sich bedrängt und angegriffen von einigen schwerkranken Patienten, die ihm vorhalten, dass sie nun schon so lange krank sind, und es nicht weitergeht; er denkt sich, sie sollen doch hingehen, wo der Pfeffer wächst. Fr 1.49
Fr 1.1

29. Zurückgezogen, Aussenseiter, ungesellig
Ernst und Gefühl von Zurückgezogenheit; besonders in Gesellschaft. Fr 1.26
Sie fühlt sich ungesellig. Fr 1.27
(...) sie fühlt sich in der Gruppe wie eine Aussenseiterin; sie ist eher kritisch, auch die einzige in Turnschuhen und mit Rucksack. Fr 1.28
Er möchte morgen alleine in die Berge gehen wegen seiner Reizbarkeit und Erregbarkeit; nach längerem Spaziergang verschwindet dieses Bedürfnis. Fr 1.44
Sie ist mit Gott und der Welt zerstritten, hält weder Mann noch Kinder aus; sie hat keine Lust mehr, nachzugeben, da die Kinder ihr nie zuhören und immer nur nein sagen, ihr Mann den Kindern auch noch recht gibt und ihr alles mögliche vorwirft. Fr 1.69
Sie hat übers Wochenende fünf Leute auf Besuch; sie ist froh, als der Besuch weg ist,, und sie zumindest in ihrer Wohnung wieder tun und lassen kann, was sie will. Fr 1.125
Sie bleibt lieber zu Hause; wenn, dann will sie sich nur noch mit den wenigen, sehr guten Freundinnen treffen, die anderen gehen ihr auf die Nerven. Fr 1.126
Er legt keinen besonderen Wert auf Gesellschaft; er empfindet die letzten Tage als Distanz zu Mitmenschen, aber auch die Menschen gehen auf Distanz zu ihm, d.h., bei Unterhaltungen stehen die Leute relativ weit weg von ihm oder sie beachten ihn kaum während eines Gesprächs; sogar Hundebesitzer machen einen Bogen um ihn und seinen Hund; der Hund würde auch gerne zu anderen Hunden hinlaufen, aber die Hunde sind oft schon verschwunden. Fr 1.127
Überhaupt keine Lust, an der Veranstaltung teilzunehmen, zu der sie eingeladen ist; sie wird nervös und gereizt, bevor sie hinfährt. Fr 1.128
Bei Begrüssungen ist sie zögernd, auch bei gut bekannten Personen; sie hat sogar Hemmungen, in der Nähe von relativ unbekannten Personen zu sitzen. Fr 1.129
Er fühlt sich reserviert und in sich gefestigt. Fr 1.134
Fr 1.86

30. Einsamkeit, Isolation
Gefühl des Alleinseins und der Verzweiflung; er verzweifelt am Einsamkeitsgefühl, bricht zusammen, weint und schluchzt; nach einer Auseinandersetzung mit seiner Frau. Fr 1.297
Gefühl des Alleinseins, weinerlich; Verlangen zu weinen; traurige, ernste Stimmung. Fr 1.298
Sie mag nicht gern allein sein, sie fühlt sich verlassen; sie möchte sich auf jemanden verlassen, jemandem vertrauen können; sie fühlt sich einsam und isoliert; findet nur schwer Anschluss bei einer Feier. Fr 1.300
Sie fühlt sich einsam und isoliert, deprimiert; sie kommt sich wie eine Schnecke vor, die sich tief in ihr Haus verkrochen hat; sie fühlt sich abgekapselt von andern; sie hat das Gefühl, dass sie zu verschlossen ist und sich mehr öffnen muss. Fr 1.177

31. Keine Lust sich mitzuteilen
Schweigsam, abgeneigt zu sprechen; keine Lust zum Reden. Fr 1.130
Sie hat kein Bedürfnis zum Reden, sich mitzuteilen. Fr 1.131
Im Gegensatz zu früheren Arzneimittelprüfungen hat er kein Drängen den Prüfungsleiter anzurufen. Fr 1.132
Obwohl immer wieder Prüfungssymptome in periodischen Verschlimmerungen auftreten, keine Lust, weiterhin alles aufzuschreiben. Fr 1.133

32. Etwas vermitteln – geht nicht
Er schreibt an einen Kollegen einen Brief bezüglich einer völlig widersprüchlichen Angelegenheit, um ihn darüber aufzuklären; er zögert, den Brief wegzuschicken; er schreibt ihn nochmals; er wirft den Brief weg, da er dem Kollegen nichts vermitteln will; er denkt sich, der Kollege soll machen, was er will; nach der durch die Telecom verursachten Telefonstörung schreibt er einen zwei Seiten langen Beschwerdebrief, den er aber nicht mehr abschickt, da ihm die ganze Sache nun entfremdet ist. Fr 1.13
Sie schreibt einen Brief, um jemandem etwas zu vermitteln; sie schickt en Brief nicht ab, sondern wirft ihn weg. Fr 1.14
Er bemerkt, dass bei einem Telefonat sein Gegenüber nicht konzentriert zuhört und öfters unterbricht; er sagt immer wieder "Zuhören, Aufpassen"; es geht ihm darum, eine Information rüberzubringen, damit sie richtig angewandt wird und keine Fehler passieren; die Stimmung ist ernst und sachlich; als er beim Beginn eines Telefonats seinen Namen nennt, lacht der andere; er denkt sich "Warum lacht der?"; er bleibt ernst und sachlich; nach dem Telefonat denkt er sich wieder "Warum hat der gelacht?"; er fühlt in sich eine ernste und nüchterne Grundstimmung; er verfasst ein Schreiben sachlich und ohne irgendwelcher netter Aufkleber wie früher. Fr 1.25
Sie informiert eine Kundin genau andersherum, wie es sein soll; sie bemerkt es sofort und korrigiert die Information. Fr 1.324

33. Kann Lob nicht annehmen
Sie kann von anderen kein Lob oder Kompliment annehmen, da sie es nicht für ernst nehmen kann. Fr 1.23
Lob, das über sie gesprochen wird, macht sie unerträglich verlegen; sie reagiert, als ob es nicht an ihr liegt, was gelobt wird. Fr 1.24

34. Sich als Kind fühlen
Sie möchte endlich aus der Kirche austreten, aber sie fürchtet sich vor der Auseinandersetzung mit ihren Eltern; Sie denkt sich, wie sich doch alles wiederholt. Fr 1.70
Er kauft für sich ein Hemd, zusammen mit seiner Frau, die ihm dabei hilft; er fühlt sich wie ein Kind, und als sei sie seine Mutter. Fr 1.77
Sie spricht plötzlich von ihrer Mutter wieder von Mama; aus reiner Gewohnheit hat sie für ihre Mutter wieder einen Adventskalender gemacht, und als sie alles einpackt, wird ihr bewusst, dass sie alles nur aus Gewohnheit macht; am liebsten hätte sie alles zertrampelt. Fr 1.78
(...) die Vergangenheit ist schwer greifbar, dafür lebt er den Moment in auffallender Intensität, mit der Faszination eines Kindes (...) Fr 1.79
Nach der Aussprache mit ihrer Mutter kommt sie sich schlecht vor, wie die böse undankbare Tochter. Fr 1.140
Nach einer Auseinandersetzung mit seiner Frau bereut er sein Verhalten und schämt sich; er kommt sich wie ein dummer Junge vor, will mit ihr darüber sprechen und telefoniert mit ihr darüber; aus einer Art Schuldgefühl heraus kauft er gute Lebensmittel ein, aus denen er ein köstliches Abendessen zubereiten will. Fr 1.141
Er hört die Musik Ramazzottis in maximaler Lautstärke und fühlt sich locker und frei wie ein lustiges Kind. Fr 1.233
Er fühlt sich wie ein Kind und hat unglaubliche Freude, sich mit dem Schlitten von einem Auto ziehen zu lassen; vor Freude bekommt er nicht genug; bei einem Fragespiel sagt die Tochter, dass das doch kein Kind wissen kann; er antwortet spontan "Aber ich bin doch ein Kind". Fr 1.401
Fr 1.399, 400, 403

35. Vergangene Ereignisse
Ständige Erinnerungen an vergangene Ereignisse, meist negative. Fr 1.200
Als er und die Tochter mit einer Laterne am St.-Martins-Umzug mitgehen, steigen in ihm viele Erinnerungen hoch; auch er ging als kleiner Junge einmal in diesem Dorf beim Umzug mit; die Bilder von früher rufen in ihm eine traurige Sentimentalität hervor. Fr 1.201
Es fallen ihr häufig Begebenheiten ein, die schon länger, ca. 15 bis 20 Jahre zurückliegen. Fr 1.202
Sie erlebt kurze Momente, in denen sie an früher denkt, z.B. sie sieht eine Frau, die ihr bekannt vorkommt, und es fällt ihr ein, dass die Frau einer aus ihrer Klasse (1982) ähnlich sieht; es fallen ihr immer wieder Dinge, Vorfälle oder Personen von früher ein, oft sind es unangenehme Dinge. Fr 1.203
Er sieht einen Mann, der einer Person ähnlich ist, die er früher beruflich gekannt hat; sämtliche Erinnerungen an diese Zeit kommen auf, er möchte am liebsten den Mann anreden, doch der reagiert überhaupt nicht auf seinen Blickkontakt. Fr 1.204
Sie denkt auffallend oft an Personen, von denen sie seit Jahren nichts mehr gehört hat, oder sie fragt bei anderen nach, die eventuell noch Kontakt mit diesen Personen haben. Fr 1.205
Sie hat eine Kollegin, die knapp über vierzig ist, und sehr oft etwas von früher erzählt; das regt sie jedes Mal auf, weil die Kollegin jetzt schon so redet wie eine alte Frau. Fr 1.46

36. Keine Vergangenheit
Er hat das Gefühl, als ob für ihn keine Vergangenheit existiere; er empfindet alles wie einen Neubeginn; er kann sich nicht mehr erinnern, was er vor einer Woche erlebt hat; die Vergangenheit ist schwer greifbar, dafür lebt er den Moment in auffallender Intensität, mit der Faszination eines Kindes; er besinnt sich auf den Beginn der Arzneimittelprüfung und hat das Gefühl, als ob die Einnahme des Arzneimittels vor über einem halben Jahr gewesen sei. Fr 1.79
Er hat Erinnerungslücken über Teile der vergangenen Tage; er kann die Ereignisse der letzten Tage nicht niederschreiben; die Ereignisse sind zwar zum Teil erinnerbar, aber er kann sie nicht in Worte fassen; er kann sich nicht beobachten und Symptome aufschreiben. Fr 1.80
Er empfindet sich, als ob sein Lebensfluss unterbrochen worden sei; es ist ein Gefühl, als ob es keine Vergangenheit gebe, das Leben jetzt erst beginnt, und alles neu zu erleben und umzusetzen sei; an Vergangenes erinnert er sich nur durch konzentriertes langes Nachdenken oder gezielte themenbezogene Gespräche mit anderen; selbst im Haushalt muss er seine Frau fragen, da er Dinge nicht findet. Fr. 1.365

37. Zukunft
Sie macht sich Gedanken, wo sie eigentlich steht, was sie vom Leben will und wie es mit ihr weitergehen soll; es ist nicht belastend, sie ist mit einem zuversichtlichen Gefühl gespannt, wie es mit ihr weitergeht. Fr 1.178
Das Leben ist so mühsam; sie fühlt sich lebensüberdrüssig, hat Gedanken an den Tod; sie ist deprimiert und stellt sich die Frage "Welchen Weg habe ich noch vor mir?". Fr 1.179
Er denkt sich, es geht nicht um ein Leben mit Blick in die Zukunft, sondern ums Überleben. Fr 1.180
Er sieht keine richtige Perspektive in seinem Leben, er ist auch abgeneigt, irgend etwas zu tun. Fr 1.181
Sie kommt sich wie ein Nichts vor, ein Niemand, etwas Sinnloses; sie hat weder ein Ziel noch einen Plan, wie es weitergehen soll. Fr 1.183

38. Neuem Platz machen
Sie denkt sich, dass es doch furchtbar ist, wenn man nicht loslassen kann; es belastet so, man fühlt sich voll und hat keinen Platz für das Neue – sie regt sich über ihren Stuhlgang auf, der so schwierig ist. Fr 1.75
Ihm wird bewusst, dass das Ende einer fünfjährigen Lehrtätigkeit nötig ist, um wieder Neues entstehen zu lassen. Fr 1.76
Fr 1.79

39. Konzentration
Sehr benommen und zerstreut, mit schwieriger Konzentration; sie muss sich bewusst anstrengen, um bei der Sache zu bleiben und den Leuten zuzuhören. Fr 1.83
Er kann sich überhaupt nicht konzentrieren, sich mit einer Sache tief beschäftigen; er hat Angst, gewisse Arbeiten, die er sich vorgenommen hat, niemals beginnen, geschweige denn jemals fertigstellen zu können. Fr 1.84
Unfähigkeit, sich zu konzentrieren; die Gedanken schweifen ab; Konzentration am konkreten Objekt nicht möglich; konzentrationslos und müde; nach kurzer geistiger Arbeit. Fr 1.84
Es ist keine Konzentration möglich, sie muss immer wieder aufstehen. Fr 1.85
Schwierige Konzentration und wenig Initiative; alles geht langsam, sie möchte am liebsten ihre Ruhe haben; herabgesetzte geistige Leistungsfähigkeit. Fr 1.86
Gute Konzentration, bei geistiger Anstrengung; geistiges Arbeiten ist sehr produktiv. Fr 1.78
Sie ist tagsüber hellwach; hellwach und klares Denken; sie ist erstaunt über ihr gutes Gedächtnis und ihre gute Konzentration; klare Gedanken; abends im Bett. Fr 1.89
Wachheit und Klarheit des Geistes, kann schnell Entscheidungen treffen. Fr 1.90

40. Schwierigkeiten beim Formulieren und Schreiben
Beim Eingeben des Textes macht er viele Schreibfehler. Fr 1.323
Sie hat Schwierigkeiten, Sätze richtig zu formulieren, d.h. sie fängt einen Satz an, verspricht sich und merkt dann, dass sie gar nicht genau weiss, wie sie diesen Satz beenden soll. Fr 1.325
Sie kann ihre Gedanken nicht in Worte fassen und sagt etwas anderes; wenn sie das bemerkt, bricht sie ab; sie hat Wortfindungsstörungen und muss manches umschreiben; z.B. kommt sie nicht auf das Wort Satellit. Fr 1.326
Er fühlt sich unfähig Dinge zu formulieren, zu erarbeiten, niederzuschreiben usw.; er kann sich nicht vorstellen, dass er jemals wieder kreativ sein wird. Fr 1.327
Statt Priscilla liest sie "Patricia", dann "Patricila"; sie spricht einen Namen verkehrt aus, so dass er eine völlig andere Bedeutung hat; sie sagt "Mund im Wasser" statt "Wasser im Mund". Fr 1.328
Gefühl der Unsicherheit beim Schreiben. Fr 1.330
Fr 1.80, 331-338, 346

41. Verwirrung, Zerstreutheit
Verwirrung, er sucht lange etwas vergeblich, das er sich vorher schon zurechtgelegt hat. Fr 1.339
Unaufmerksamkeit beim Autofahren; sie fährt an einer Verkehrsinsel vorbei in die Spur der Gegenfahrbahn; sie biegt falsch ab, obwohl sie den Weg kennt. Fr 1. 341
Er biegt schnell links ab, obwohl ein riesengrosser Lastwagen entgegenkommt; zum Entsetzten der mitfahrenden Ehefrau wiederholt sich die Situation noch drei Mal. Fr 1.343
Fr 1.342, 344, 348

42. Vergesslich
Sehr vergesslich bezüglich Termine usw.; es entfällt ihm der für den Anrufbeantworter üblicherweise aufgesprochene Text. Fr 1.314
Sie vergisst auf einen Brief die Briefmarke zu kleben. Fr 1.315
Er vergisst für den Kurs das Unterrichtsskript mitzunehmen, was ihm bisher noch nie passiert ist; Vergesslichkeit kennt keine Grenzen; unglaublich, was er alles vergisst. Fr 1.316
Sie vergisst, was sie als nächstes machen will; z.B. geht sie in ein anderes Labor, um etwas zu holen, und auf dem Weg dorthin bleibt sie stehen, weil sie nicht mehr weiss, was sie will. Fr 1.318
Fr 1.317, 319-322, 358

43. Daten versehentlich gelöscht, Computer stürzen ab, technische Geräte fallen aus. Fr 1.349-354

44. Leere, wie ein Vakuum
Er steht da und fühlt sich verloren, so als ob in einem grossen Vakuum; während des Kurses löst sich sein aktives Gedächtnis- und Erinnerungsvermögen plötzlich in eine sich ins Unendliche ausweitende Leere auf; er kann sich an nichts mehr erinnern, steht stumm vor den Zuhörern und ist unfähig, auch nur ein Wort zu sagen; erst nach einiger Zeit kann er sich wieder besinnen ist in der Lage konkrete Gedanken zu fassen und weiter zu referieren. Fr 1.358
Es ist eine geistige Leere, wie ein Vakuum; ein Nichtzustand, der nicht zu fassen ist; er denkt sich, dass "nichts" auch nicht beschrieben werden kann; ein Zustand, den er nicht ausdrücken, erfassen kann, wie ein durchsichtiger Nebel; er nennt den Zustand "Unbewegtheit". Fr 1.359

45. Lahmgelegt, abgeschnitten, unterbrochen
Er fühlt sich lahmgelegt und von allem abgeschnitten aufgrund der absoluten Funkstille durch die Telefonstörung; bezüglich der letzten drei Tage fühlt er sich, als ob sein Leben unterbrochen worden ist; obwohl ereignisreiche Erlebnisse, wie auch eine Hochzeit, gewesen sind, kann er sich nur schwer an alle Dinge und Einzelheiten erinnern. Fr 1.360
Beim Lesen einer Geschichte verliert sie den Kontakt zur Realität; sie muss etwas Praktisches machen, um wieder in die Realität zurückzukommen. Fr 1.362
Er empfindet sich, als ob sein Lebensfluss unterbrochen worden sei; es ist ein Gefühl, als ob es keine Vergangenheit gebe, das Leben jetzt erst beginnt, und alles neu zu erleben und umzusetzen sei; an Vergangenes erinnert er sich nur durch konzentriertes langes Nachdenken oder gezielte themenbezogene Gespräche mit anderen; selbst im Haushalt muss er seine Frau fragen, da er Dinge nicht findet. Fr. 1.365

46. Voller Energie
Er ist voller Energie und wundert sich, wo die Energie herkommt. Fr 1.92
Sie schaufelt die Arbeit richtig weg, sie arbeitet ohne Anstrengung bei guter Laune sehr viel. Fr 1.93
Sie arbeitete zehn Stunden ohne Mühe und vergisst sogar, aufs Klo zu gehen. Fr 1.94
Sie hat viel Energie; Putzen, Wäschewaschen usw. erledigen sich fast von selbst. Fr 1.96
Sie arbeitet ganz ruhig vor sich hin, ist aber dennoch schneller als sonst. Fr 1.99

47. Motiviert
Sie ist gut drauf, neugierig mit positiver Einstellung; z.B. um die Umgebung auszukundschaften. Fr 1.100
Sie hat Lust, sich schön anzuziehen. Fr 1.174
Die Arbeit geht ihr gut von der Hand; als ob eine gewisse Hemmschwelle weniger stark sei, und sie dadurch alles freier tun könne. Fr 1.247

48. Zeitdruck, Berge von Arbeit
Sie wird nachmittags sehr nervös und beeilt sich bei der Arbeit; sie will alles schnell zu Ende bringen, damit sie heimgehen kann. Fr 1.149
Sie wird zunehmend nervös, fühlt sich wie unter Zeitdruck. Fr 1.151
Sie wird ungeduldig, weil es immer noch so viel zu tun gibt; die Arbeit will nicht aufhören; sie fühlt sich sehr erschöpft, so dass es sie grosse Mühe kostet, weiterzuarbeiten. Fr 1.152
Er sieht vor sich einen riesigen Berg von zu erledigenden Dingen und Terminen, der von ihm als bedrohlich empfunden wird; er ist aber sehr zuversichtlich, alles erledigen zu können, was er auch schafft; er arbeitet und arbeitet, so dass er seine persönlichen Belange nicht berücksichtigt; nicht einmal Zeit hat, ein heisses Bad nehmen zu können, was er sich vorgenommen hat. Fr 1.153
Er erkennt, dass er viel Kraft und Ausdauer hat, wenn er sich an ein moderates Tempo hält; beim Bergsteigen muss er sehr langsam und gleichmässig gehen, sonst kommt er ausser Atem, verliert den Rhythmus, erschöpft sich und baut ab. Fr 1.135
Durch die Arzneimitteleinnahme fühlt sie sich nicht mehr unter Druck, sondern im Hier und Jetzt. Fr 1.367

49. Bedrückt, freudlos
Gedämpft, freudlos, betrübt, emotionslos; plötzlicher Einbruch, nachdem er vorher voller Übermut gewesen ist; mit Kopfschmerzen, Ohrenrauschen, heftigem Herzklopfen und Knöchelschmerz, als ob abgeschnürt; nach dem Arbeitstag wird er plötzlich schwermütig, er denkt sich, wo bleibt sein eigenes Leben. Fr 1.161
Sehr bedrückt, weil sie viele Probleme mit ihren Kindern hat; sie fühlt sich runtergedrückt, richtig kreuzlahm, bei Rückenschmerzen. F 1.162

50. Antriebslos, lustlos
Verlangen sich auszuruhen; sie muss sich zur Aktivität aufraffen; sie umgeht das Bettenmachen morgens. Fr 1.114
Abneigung gegen jegliche Art von Hausarbeit; sie kocht nicht einmal mehr. Fr 1.115
Sie vertrödelt den Tag; sie spielt lieber Flöte als zu bügeln; Sie fühlt sich matt und antriebslos. Fr 1.116
Sie denkt sich des öftern, dass sie "Null Bock" hat und dann macht sie auch nichts; sie sitzt den ganzen Tag herum und spielt Gameboy oder strickt; sie hat zu nichts anderem Lust, geht nicht mal an das Telefon. Fr 1.117
Sie hat zu nichts Lust, ist kein einziges Mal vor die Türe gegangen. Fr 1.118
Sie hat keine Lust, sich irgendwie herzurichten. Fr 1.173

51. Schuldgefühle
Er will nicht, dass durch sein Verhalten andere beeinträchtigt werden; er versucht auf die Äusserungen und Wünsche anderer einzugehen; wenn er etwas falsch macht oder ihm ein Fehler unterläuft, findet er sich schnell zurecht und kann die Situation gut lösen. Fr 1.138
Sie hat Schuldgefühle wegen ihres Verhaltens, wo sie hartnäckig ihre Meinung vertreten hat; Schuldgefühle, da wegen eines Krankentransports keine Benachrichtigung möglich ist; wenn sie einmal härter ist, tut es ihr anschliessend leid. Fr 1.139
Fr 1.140, 141

52. Es ist, als wäre sie gar nicht sie selber; als würde sie Dinge tun, die gar nicht von ihr selber kommen. Fr 1.347

53. Sie ist leicht beeinflussbar; pessimistische Äusserungen beeinflussen sie negativ. Fr 1.144

54. Todesgedanken
Verlangen zu sterben beim Hören von Musik. Fr 1.185
Wegen einer gestern erlebten Enttäuschung düstere Stimmung; sie hat den Wunsch beim Überqueren der Strasse von einem Auto überfahren zu werden. Fr 1.186
Sie sieht alles schwarz und hat keine Lust mehr zu Leben; es fällt ihr sehr schwer sich zu freuen, sie ist sehr empfindlich, reagiert beleidigt und aggressiv auf jede Kleinigkeit; sie lebt ein Tief, das sie noch nie vorher gekannt hat; am liebsten würde sie sterben, wenn die Kinder nicht so klein wären; sie überlegt sich während der U-Bahnfahrt, es wäre schön, zu sterben, bevor man voller Schmerzen alt wird. Fr 1.187
Grosse Angst zu sterben; aus Angst, im Schlaf zu sterben, will er nicht schlafen; er überlegt, sein Testament zu machen. Fr 1. 268
Fr 1.179

55. Sie hat Angst, in die Waschküche und in die Garage zu gehen. Fr 1.262

56. Sie hat Angst, dass die Wasserrohre in der Küche einfrieren; deshalb steht sie auf und schliesst das gekippte Fenster (während der letzten zehn Jahre ist noch nie etwas eingefroren). Fr 1.263

57. Hund
Er macht sich Sorgen um das Wohlergehen des Hundes. Fr 1.278
Er bringt es nur mit Überwindung und grossem Widerwillen fertig, den Hund für ein paar Stunden allein in der Wohnung zu lassen. Fr 1.301
Sie hat Angst vor jedem freilaufenden Hund; mit bildhafter Vorstellung, wie der Hund sie beisst. Fr 1. 274

58. Musik
Verlangen zu sterben beim Hören von Musik. Fr 1.185
Sie findet die Musik vom Nachbarn zwar ganz nett, aber mit der Zeit geht ihr die Musik auf die Nerven; es ist eine Erleichterung, als es wieder ruhig ist. Fr 1.225
Sie mag keine Musik hören; sie fühlt sich durch Musik gestört. Fr 1.226
Sie vertrödelt den Tag; sie spielt lieber Flöte als zu bügeln; Sie fühlt sich matt und antriebslos. Fr 1.116
Empfindlich gegen schrille Geräusche; die schrägen Töne von der Geige erschüttern den ganzen Körper und verursachen Schmerzen in den Ohren; das helle, grelle Lachen einer lustigen Runde am Nebentisch ist sehr unangenehm in seinen Ohren. Fr 1.227
Sie strengt sich überhaupt nicht an, die moderne Musik zu verstehen; aber selbst Schumann, den sie sonst mag, macht sie in Worten nieder; sie stopft sich die Ohren zu, da es ihr durch Musik schlechter geht. Fr 1.228
Abneigung gegen klassische Musik, die ihr auf die Nerven geht. Fr 1. 229
Beim Arbeiten hat sie Verlangen, Musik zu hören, was sie fröhlich macht; am liebsten hört sie alte Rock & Roll Musikcassetten, wo sie mitsingt. Fr 1.230
Er hört die Musik Ramazzottis in maximaler Lautstärke und fühlt sich locker und frei wie ein lustiges Kind. Fr 1.233
Mit Freude hört er immer wieder dem Gurgeln und Glucksen des über das Dach und in der Regenrinne fliessenden Regenwassers zu; die sanfte Melodie stimmt ihn ruhig. Fr 1.235

59. Albern sein, lachen
Sie zieht alles ins Lächerliche; sie albert, so dass ihre Nachbarin meint, was denn los wäre, dass sie so aufgekratzt sei. Fr 1.236
Lachanfall mit Albernheit wegen ihrer lustigen Satzneubildung auf eine Strophe von "Stille Nacht"; sie hat eine lebhafte Vorstellung, wie es wäre, wenn das Lied so vorgetragen werde; sie redet einen Hund mit "Wau, wau" an, damit er ihr folgt, um ihm etwas zum Fressen zu geben; ihre Kollegin muss darüber lachen. Fr 1.237
Während eines Gesprächs kann er herzhaft lachen. Fr 1.239
Sie lacht übermässig viel bei einer Theateraufführung; sie lacht Tränen; sie singt bei der Arbeit, ist zum Spassen aufgelegt; sie lacht viel mit den Arbeitskolleginnen wegen eines komischen Vorfalls. Fr 1.240

60. Freundlichkeit, gut gelaunt
Sie ist auffallend freundlich zu fremden Leuten und fährt im Strassenverkehr eher defensiv. Fr 1.242
Sie hat gute Laune, die ihr auch nicht die Bauch- und Kopfschmerzen vertreiben können. Fr 1.245
Fr 1.100

61. Ungeschickt
Es fallen ihm Dinge aus der Hand; ihr fällt oft etwas aus der Hand; es rutscht ihr ein Gegenstand unmerklich aus der Hand. Fr 1.310
Sie stösst mit dem Kopf an einer Lampe an; sie zwickt sich den Daumen in eine Schublade ein; er stösst sich an der geöffneten Autoheckklappe den Kopf an. Fr 1.311
Beim Volleyball fällt sie ungewöhnlich oft hin. Fr 1.312
Er rutscht auf einer leicht abschüssigen Strasse aus, fällt auf das linke Bein und die linke Hüfte; er kann sich gerade noch mit den Händen abfangen, um einen intensiven Sturz abzuwenden. Fr 1.313

62. Missempfindungen
Sie hat das Gefühl, als ob der linke Arm wie ein Fremdkörper an ihr hänge; sie kann den Arm aber ganz normal bewegen. Fr 1.363
Beim Schmerzempfinden im Oberschenkel hat er ein Gefühl, als ob die unteren Beine abgefallen sind; er hat das Gefühl, dass sein Bauch zu gross sei und zu sehr herabhänge. Fr 1.364

63. Rote Farbtöne
Sie schreibt mit lila Tinte. Fr 1.164
Sie schickt die Prüfungsaufzeichnungen in einem dunkelroten Kuvert, eine andere Prüferin in einem rötlichen Kuvert. Fr 1.165
Von Kerzen für die Adventszeit ist er von den roten Kerzen am meisten fasziniert; wie magisch angezogen betrachtet er rote Glaskugeln, rote Kerzen, einen roten Weihnachtsstern, einen roten Pullover. Fr 1.166
Er isst im Gemüsetopf sämtliche Karotten zusammen, wegen der roten Farbe, wie er seiner Frau erklärt. Fr 1.167
Beim Einkaufen zieht sie die blaue und rote Farbe sehr an, und weiche kuschelige Stoffe. Fr 1.168
Es ist ihr während des Prüfungszeitraums gar nicht aufgefallen, dass sie den Flur mit roten Terracotta-Fliesen gefliest, das WC in orange-abricot gestrichen und in die gelbe Wandfarbe sehr viel Orange gemischt haben; ausserdem hat sie sich ein rotes Glas-Teelicht gekauft. Fr 1.170

64. Abneigung gegen die Farbe Grau; jedes Mal, wenn sie etwas Graues anziehen will, findet sie sich total hässlich. Fr 1.171

65. Stimulanzien
Sie hat Ablehnung gegenüber Alkohol und Tabakrauch; sie denkt sich, was müssen die sich alle so zusaufen. Fr 1.192
Sie entwickelt Angst und Engegefühl; sobald geraucht wird. Fr 1.261
Sie findet es wahnsinnig interessant, dass sie durch die Arzneimitteleinnahme auf einmal kein Verlangen nach Süssigkeiten hat und Kaffe und schwarzen Tee meidet; sie ist gespannt, ob diese Süchte wiederkommen oder nicht. Fr 1.410
Schwindel; nach Trinken von zwei Tassen Kaffee; nach einem Glas Bier. Fr 2.7
Verlangen nach Alkohol; wie Glühwein, Martini, Grappa. Fr 14.9

66. Fleisch
Abneigung gegen Fleisch; Fleisch stinkt, riecht nach Leiche und Schlachthof. Fr 14.3
Abneigung gegen Fleisch; besonders durch Gedanken an die Fleischproduktion. Fr 14.4
Verlangen nach Fleisch; er isst zum ersten Mal seit elf Jahren wieder Fleisch; Verlangen nach Geräuchertem und in der Pfanne gebratenen Speck. Fr 14.14

67. Entzündung
Entzündete Ohren. He 6.2
Entzündung des Unterkieferknochens; harte, rote Schwellung. He 9.1
Psoasabszess. He 31.1

68. Kann nicht gut hören; fühlt sich als ob die Ohren verstopft wären. He 6.1

MIASMATISCHE DYNAMIK — SEKUNDÄRE PSORA


Als passendes Verletzungsmittel lässt sich Symphytum daran erkennen, dass der Patient sich z.B. übermässig sorgt, was zu Hause alles geschehe, während er im Krankenhaus liegt. Er fühlt sich unentbehrlich für den Schutz und die Struktur seiner Umgebung, befürchtet, dass alles zusammenbreche, während er nicht da ist.
Auch im Alltag macht er sich ausserordentlich viele Gedanken und Sorgen um das Wohlergehen seiner Umgebung. Er empfindet Mitleid mit seinen Nächsten, das Schicksal der Menschen berührt ihn. Aber auch eine verletzte Baumrinde oder eine angestossene Schüssel können ihn betroffen machen Th 4, 22, 45. Dabei kann er bei aller Sorge etwas Empörtes an sich haben: Ich hab dir doch gesagt, dass du aufpassen sollst! Ich wusste, dass es schief gehen kann! Sein Nervenkostüm ist durch Kleinigkeiten angegriffen Th 11,
Sehr leicht fühlt er sich durch Auseinandersetzungen selber destabilisiert. Er fühlt sich wie abgeschnitten, kommt sich schlecht vor Th 34, 45. Kritik kann ihn ebenso aus der Bahn werfen wie Lob! Beides bedeutet, dass seine eigene Struktur noch nicht vollkommen ist – sonst gäbe es ja keine Beurteilung mehr. Th 11, 28, 30, 33 Vor lauter Sorge, einen Streit vom Zaun zu brechen, wagt er nicht mehr, Entscheidungen zu treffen Th 12. Er wird wankelmütig und hinterfragt alles Th 19. Sogar seine Arbeitsfähigkeit kann dabei verloren gehen, er kann Dinge nicht mehr anpacken, geschweige denn fertig stellen Th 39. Wenn man ihm Strukturen vorgibt, schon wenn man ihm helfen oder einen Rat erteilen will, fühlt er sich wie ein dummes Kind. Th 34

MIASMATISCHE DYNAMIK — TERTIÄRE PSORA


Egotrophie
In seiner Vorstellung von einer vollkommenen Welt beruft sich Symphytum auf seine eigene Struktur, Stabilität und Übersicht. Fest gegründet, unangreifbar und beschützend steht er im Leben. Allen Schwierigkeiten zum Trotz bleibt er den Menschen wohlgesonnen und trachtet danach, ihr Leben zu verbessern. Als Unfallchirurg flickt er Brüche zusammen und liebt seine Patienten, weil sie sich an seine Verhaltensvorgaben halten (müssen). Der Homöopath trifft seine Verordnungen mit grosser Klarheit und glaubt, damit stets richtig zu liegen – gibt es eine bessere Denkstruktur als die seine?
In der Kompensationshaltung tut Symphytum alles, um nicht dem drohenden Verlust des eigenen Willens ausgesetzt zu sein. Er versteift sich auf seine eigene Meinung als die einzig richtige Th 12, seine Pläne scheinen ihm die allein seligmachenden Th 13. Er lässt sich nichts gefallen, lässt nichts mehr auf sich sitzen Th 8, 9, 10, 25, 29. Er wird zwanghaft ordentlich und diktatorisch pingelig Th 14, 15. Er schimpft und konfrontiert in einer Direktheit, die sich nicht um die Reaktionen der Mitwelt kümmert, er hat keine Lust, nachzugeben. Th 8, 29
Die unangenehme Vergangenheit gibt es nicht mehr – ebenso wenig wie die unberechenbare Zukunft – dafür lebt er den Augenblick intensiv wie ein Kind. Th 35, 36, 37
Statt sich von Ungerechtigkeit und Diskriminierung fertig machen zu lassen, verachtet er in dieser Phase die Dummheit der Menschen, die sich nicht für ihre Rechte wehren. Th 27

Egolyse
Symphytum resigniert angesichts der nicht zu strukturierenden, unheilen Welt und zieht sich einsam und isoliert tief in sein Schneckenhaus zurück Th 30. Er hat keine Lust mehr sich mitzuteilen, seine Denkstrukturen funktionieren nicht mehr: Erinnerungslücken, Vergesslichkeit für Alltägliches, keine Konzentration, keine Initiative Th 31, 39, 43, 50. Selbst das "Nichts" kann nicht mehr beschrieben werden Th 44. Er hat keine Erinnerung mehr, die Zeitstruktur geht verloren, sein Lebensfluss ist unterbrochen, alles beginnt immer neu. Denkbar ist eine gute Wirkung bei Demenz nach einen Schädel-Hirn-Trauma.

Alterolyse
In der Schuldzuweisung denkt Symphytum schon mal, dass andere alles tun, um seine sorgfältigen und durchdachten Strukturen zu sabotieren Th 13. Sie scheinen absichtlich Dinge zu unternehmen, damit er sich schlecht fühlt Th 25. Seine Wut richtet sich gegen unschuldige Fliegen ebenso wie gegen Chirurgen, die Leute falsch zusammenflicken Th 9, 26. Wer ihn kritisiert, wird ins Pfefferland gewünscht Th 29. Menschen, die sich alles gefallen lassen erregen ebenso seine Wut wie jene, die in der Warteschlange ein blödes Gesicht machen Th 10, 12. Mit anderen Worten: Hat Symphytum erst einmal entschieden, dass die anderen Schuld haben an der Unstrukturiertheit der Welt, wird er immer einen Grund finden, mit Wut und Aggression zu reagieren.

LEITMOTIV — PRIMÄRE PSORA


Welche "Conditio humana" lehnt er ab? Wo wünscht er sich Vollkommenheit?
Symphytum hat wie andere Verletzungsmittel den Anspruch, die Welt heiler zu machen. Dabei geht es ihm um Stabilität, Übersicht, Unangreifbarkeit und Festigkeit für sich. Unerschütterlich steht er im menschlichen Dasein. Er möchte seine Struktur durchsetzen zum Wohle der Welt. Dinge sollen auf seine Art geschützt werden, heil bleiben oder wieder zusammenwachsen. Th 6, 13, 14, 15
Dass es im menschlichen Leben zwangsläufig Brüche gibt, dass auch der menschliche Körper wie alles Materielle verletzlich ist und zerstört werden kann, lehnt Symphytum ab Th 4.

Wo erlebt er deshalb ein Nichtgenügen, einen Verlust?
Das ganze Streben nach Stabilität und Übersicht hat für Symphytum nur dann Sinn, wenn er wirklich seinem eigenen Willen, seinen eigenen Richtlinien folgen kann. Ohne diese verliert er Ziel und Zukunftsperspektive Th 13, 37, 40. Dabei reagiert er gleich empfindlich auf den Verlust des eigenen Willens wie auf die Tatsache, dass anderen Menschen der Wille "gebrochen" wird Th 18.
Nichts scheint ihm stabil genug, er fühlt sich verloren wie in einem Vakuum Th 40, er hat schnell das subtile Gefühl, übersehen oder übergangen zu werden Th 24.

Was empfindet er infolge der Ablehnung als Bedrohung oder als Strafe?
Wegen seiner Empfindlichkeit für alles Gebrochene, Verletzte, hat Symphytum Angst vor Konflikten Th 30, 34. Er darf nicht derjenige sein, der noch mehr Unheil und Verletzung in die Welt trägt. Die Angst, sich mit einem Messer zu verletzen, erklärt sich ebenfalls dadurch Th 2.
Um das Wohl anderer Menschen ist er besorgter als angemessen. Er sieht überall Gefahren. Symphytum-Eltern nerven ihren Nachwuchs mit zahllosen, nicht zu beschwichtigenden Ängsten Th 22, 23. Was ist, wenn dies oder jenes nicht klappt, wenn Geräte versagen, Dinge nicht mehr funktionieren, wenn ich mich gar selber verletze? Th 4, 43, 55, 56, 57 Was passiert, wenn die Pläne nicht mehr aufgehen, Strukturen ins Wanken kommen? Letztlich fürchtet er darum auch den Tod: Was passiert, wenn ich weg bin und nicht mehr für alles sorgen kann? Th 54

Wie könnte sich ein bewusster Umgang mit der Grundproblematik darstellen?
Die Fähigkeit, Klarheit zu schaffen in ansonsten wirren und unübersichtlichen Zuständen, ist eine grosse Qualität von Symphytum. Seine Struktur-Vorgaben haben Hand und Fuss. Wichtig ist, dass er sich dabei nicht nur auf seine Pläne versteift, und dadurch den Fluss der Lebendigkeit unterbricht. Andere Menschen haben andere – ebenso richtige – Vorstellungen.

INTERPRETATION einzelner Themen oder Symptome


Die vorliegende Hypothese lässt klar erkennen, warum Symphytum prädestiniert ist bei Knochenbrüchen, das heisst bei Versehrung der strukturgebenden Körperanteile Th 1, 3, 5.

Wenn Symphytum zu sehr am Anspruch festhält, dank klarer Struktur mehr Stabilität und Sicherheit für sich und die Mitmenschen zu gewinnen, kann er in einen Zustand der Unbewegtheit kippen: Es ist eine geistige Leere, wie ein Vakuum; ein Nichtzustand, der nicht zu fassen ist; er denkt sich, dass "nichts" auch nicht beschrieben werden kann; ein Zustand, den er nicht ausdrücken, erfassen kann, wie ein durchsichtiger Nebel; er nennt den Zustand "Unbewegtheit" Th 44.
Ganz Ähnliches beschreiben die Symptome von lahmgelegt oder abgeschnitten sein und als ob sein Lebensfluss unterbrochen worden sei Th 45.

Statt stabil wird er labil: Es ist, als wäre sie gar nicht sie selber; als würde sie Dinge tun, die gar nicht von ihr selber kommen. Th 52 Sie ist leicht beeinflussbar; pessimistische Äusserungen beeinflussen sie negativ. Th 53

Sie hat Angst vor jedem freilaufenden Hund; mit bildhafter Vorstellung, wie der Hund sie beisst Th 57. Sie sieht sogleich das ganze Ausmass an möglichen Verletzungen vor sich, ihre Körperstruktur ist bedroht. Zudem ist der Hund ein Wächter an den Grenzen zwischen dieser Welt und dem Jenseits; ein Seelenführer, der die Seele ins Jenseits begleitet LdtS. Symphytum fürchtet sich vor dem Tod Th 54.

Durch Musik kann Symphytum unterschiedlich berührt sein Th 58. Entweder nervt er sich, weil sie ihn beeinflusst und die Struktur seines Plans zu lockern droht oder aber, er fühlt sich beschwingt und belebt, weil ihn der Rhythmus gerade darin unterstützt.

Interessant erscheint der Fokus der Arzneimittelprüfer auf rote Farbtöne Th 63. Die Symbolik von Rot ist vielschichtig und kann gut mit der vorliegenden Hypothese in Verbindung gebracht werden: Rot ist u.a. das männliche, aktive Prinzip, Gesundheit, Kraft, Erneuerung des Lebens LdtS.
Dem gegenüber steht die Abneigung gegen die Farbe Grau Th 64. Sie symboliert u.a. Neutralität, Trauer, Depression, Leiden LdtS, was Symphytum verhindern will.

DIFFERENTIALDIAGNOSE


In der Verantwortlichkeit für seine Mitmenschen und das gesicherte Funktionieren des Lebens kann Rhus toxicodendron ganz ähnlich erscheinen. Er glaubt, die Welt durch seine Arbeit in Gang halten zu müssen. Dabei überschreitet er jedes menschliche Mass an Leistungsfähigkeit, lehnt es ab, sich auszuruhen, sich durch kleinliche Gedanken oder andere Menschen von seinem Tun abhalten zu lassen MMH. Körperlich sind dabei typischerweise die beweglichen Anteile, d.h. Muskeln, Sehnen und Gelenke vorrangig betroffen. Bei Symphytum sind es eher die "strukturgebenden" Anteile d.h. die Knochen.

Millefolium reibt sich an den engen Grenzen, welche die sinnlich-materielle Welt uns auferlegt. Der Mensch ist in diesem Raster gefangen, er erfährt darin aber auch Struktur und Halt. Dieses Raster lehnt Millefolium ab. Er wünscht sich stattdessen eine Art Hyper-Orientierung dank geschärfter Vernunft und kaltem Hirn RMM 4

Silicea möchte nicht festgelegt, bestimmt und eingeengt sein und verliert dadurch jene Festigkeit, Beständigkeit und Bestimmtheit, die es braucht, um leben und handeln zu können. Es fürchtet sich davor, auseinanderzubrechen. Dieser aus dem traditionellen Silicea-Bild bekannte Grundzug zeigt sich sowohl auf der körperlichen, als auch auf der psychischen Ebene: Der hypotrophen, wenig widerstandskräftigen körperlichen Konstitution entspricht die Zaghaftigkeit auf der psychischen Ebene. MMH

ZUR SUBSTANZ


Symphytum, Beinwell, Wallwurz, Beinwurz (Familie: Boraginaceae)
Der Gattungsname Symphytum leitet sich ab von griech. ‚syn’ (zusammen) und ‚phyo’ (wachsen), woraus griech. ‚symphytos’ (zusammen gewachsen) entsteht. Damit ist das Zusammenwachsen von Wunden oder gar von Knochen gemeint. Diese Heilkraft kommt auch im deutschen Namen „Beinwell“ zum Ausdruck. Unsere gärtnerische Erfahrung zeigt, dass die Pflanze kaum mehr wegzukriegen ist, wenn sie dank ihrer kräftigen Pfahlwurzel mal richtig Fuss gefasst hat im Garten. Ausserdem hat sie gleich am Stängelansatz eine Art "Sollbruchstelle", eher bricht sie ganz ab als dass man sie irgendwie zurechtbiegen kann. Dies führt nach heftigen Regenfällen oder beim Aufbinden leicht zu einer Verletzung und zum Umkippen der Pflanze.

ANMERKUNGEN


Auf Grund des grossen Umfangs wurde in der vorliegenden Überarbeitung aus der Arzneimittelprüfung von Edeltraut und Peter Friedrich, nur eine Auswahl von Symptomen aufgenommen. Das Kapitel Träume wurde ganz weggelassen.

QUELLEN


Überarbeitung im Rahmen der Arzneimittelstudiengruppe Olten, März 2013

He: Hering, Constantin, The Guiding Symptoms of our Materia Medica, New Delhi 1989, Band
Fr: Friedrich Edeltraut und Peter, Charaktere homöopathischer Arzneimittel Teil III, Arzneimittelprüfungen, Höhenkirchen- Sgbr. 1999
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Bild: Esther Ostermünchner